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Am 9. April 2005 um Punkt 11 Uhr betrat eine Gruppe von 20 Personen die Oberhausener Innenstadt.
Jede Person ist in einen pinken Overall gekleidet und mit Putzutensilien ausgestattet. Dazu mit Frühlingsduftwasser.
Die Personen verteilen sich auf der Markt- und Elsässerstraße. Jede ging an einen Ort, den sie blitzeblank putzte. Eine schrubbte einzelne Granitsteine auf dem Boden, eine andere polierte Straßenschilder blitzeblank, eine dritte putzte eine Hausfassade, einige fegten, schrubbten Hauseingänge, reinigten Sitzbänke …

In ihrer Umgebung verbreitet sich ein frischer Frühlingsduft.
Die letzte "Spülung" beim Putzen erfolgte mit Frühlingsduftwasser.
Nach einer Stunde verschwanden alle pinken "Frühlingsboten".

Die Kunstperformance setzt einen Impuls des guten Willens und der Liebe zu unserer Stadt.
Wie auch heute noch Kirchen durch Weih-rauch-duft eingeweiht werden, wird die Stadt symbolisch neu geweiht, verschwenderisch rein gewaschen, duftig-frisch - bereit für einen neuen Frühling mit frischem Wind in den Segeln!
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Eine Kunstperformance angelehnt an eine Ritualform - Frühjahrsputz, Einweihung, Taufe.
Dem Neuen Platz machen, sich bereiten, unverschämt verschwenderisch auftreten - duftig frisch.
    
Die Aktion wurde durch ein Video dokumentiert. Der Film soll auf Monitoren der Sparkasse in der Innenstadt gezeigt werden.

Edda Gerusel, Künstlerin - Copyright by Edda Gerusel
    
    
WAZ (10.04.05):   
    
Künstlerische Putztruppe in Oberhausen am Werk - Performance als Liebesimpuls



Bild: Ruhrkontrast/Hellwig

Der Dreck muss weg:
Dorita Vorländer und Norbert Heiek als Straßenkünstler der besonderen art.

Ein Passant wurde beinahe putzteufelswild: "Das kommt dabei raus, wenn der Staat zuviel Geld für Kunst hat." Wenn der Staat Geld hätte, wären Markt- und Elsässer Straße heute blitzeblanke. Dann wären die Spuren, die die Putz-Performance der Oberhausener Künstlerin Edda Gerusel als Liebesimpuls in die Innenstadt setzte, noch deutlich prägnanter.

Samstag, kurz vor Elf. Sternförmig wälzt sich eine 20-köpfige Kolonne auf den Friedensplatz. Overall in Pink, teils flower power im Haar, so ergießt sich Frau und Mann auf die Fußgängerzone, beginnt zu schrubben, zu fegen zwischen Lichtburg Filmpalast, Sparkassengebäude und Altmarkt.

Künstler sind es auch aus Nachbarstädten, "normale" Menschen ebenfalls. Sie schrubben Gullydeckel und Granitsteine, rücken den Spuren Kaugummi-spuckender Kids zu Leibe, bereiten dem Dreck den Kehrhaus, versprühten frische Frühlingsdüfte.

Die Passanten sind die wahren Artisten, denen in Alexander Kluges Zirkuskuppel gleich - ratlos. "Macht ihr hier einen Ein-Euro-Job?" Die Nähe zum Infostand einer Wahlgemeinschaft, deren Protagonist das Wahlkampfplakat frech ins Bild zu posieren trachtet, lässt dies vermuten. Aber Edda Gerusel, Regisseurin dieser durchaus nicht nur bildend künstlerischen, sondern auch zauberhaft theatralischen Performance, fegt jedweden politischen Hintergrund weg: "Das ist überhaupt nicht als Kritik daran zu verstehen, dass die Stadt angeblich nicht saubergehalten wird. Wir wollen nur einen Liebesimpuls in die Stadt tragen."

Die Akteure sind beeindruckt: "Als ein Granitstein wieder blütenweißwar, wollte eine Frau wissen, welches Reinigungsmittel ich verwende, ob ich für Putzmittel werbe." Am Altmarkt greifen zwei Jungen spontan zu Besen und fegen mit, ein anderer meint, "ob ich mich nicht schäme, dass ich hier stehe und putze". Zwei ältere Frauen kontern sofort: "Unsere Jugend, typisch dass sie solche Fragen stellt." - Kunst, die die Menschen unsicher macht, die sie nicht glauben lassen will, dass Leute ohne Bezahlung "sowas machen".

Ein Geschäftstreibender bedankt sich "im Namen der Oberhausener Bürger", der Bio-Laden von der Elsässer Straße spendet Kaffee und Tee. Nicht der einzige Sponsor. Edda Gerusel konnte im Vorfeld nicht nur das städtische Kulturbüro und das Innenstadtbüro überzeugen, auch die Wirtschaftsbetriebe Oberhausen, die "5komma7 Agentur für Medien", die alles filmte, die Stadtsparkasse, die Chemischen Werke Kluthe Contilack, Ziesack Plaza und der Hellwig Baumarkt unterstützten die ebenso eigenwillige wie aufschlussreiche Performance. Der Film über den etwas anderen Frühjahrsputz soll demnächst auf Monitoren an der Sparkassenbaustelle in der City gezeigt werden. Sehenswert gewiss nicht nur ob neuer Erkenntnisse zur Putztechnik.

Von Michael Schmitz (WAZ)

    
    

Kommentar zur Aktion:

Frischer Wind wehte nicht nur in den Straßen von Oberhausen, als Edda`s Team sich aufmachte, den Frühlings- und Erneuerungsgedanken zu verbreiten. Frischer Wind wehte auch in den Köpfen der Betrachter, die die rosa gekleidete Putztruppe einfach nicht ignorieren konnten.

Ein ungewohntes Bild war es für die Menschen, die sich zu Einkäufen oder aus anderen Gründen mit verkniffenen Mund und Scheuklappensicht aufgemacht hatten, um in der Masse anonym zu verschwinden. Plötzlich war dort etwas, was nicht in das übliche Bild passte. Man wurde gezwungen, hinzusehen, zu überlegen, Erklärungen zu suchen. Edda`s Putzkolonne provozierte, Gedanken und Handlungen. Der Betrachter lief langsamer, schaute zunächst aus den Augenwinkeln und dann ganz offen, eine Erklärung erwartend. Die Menschen suchten nach dem Sinn einer solchen Putzaktion. Einige scheue Zeitgenossen waren sichtlich erleichtert, als wir ihnen von unserem Anliegen berichteten, um das Außergewöhnliche wieder in ihre gedanklichen Schubladen sortieren zu können. Neugierde wurde geweckt, man kam ins Gespräch, es wurden Emotionen und Meinungen artikuliert. Die Menschen reagierten!!!

Fröhlichkeit und Unbekümmertheit sind ein seltenes Gut für Erwachsene geworden, zu sehr drücken Kummer und Sorgen. Aber bestimmt nicht die Perspektive das Lebensgefühl? Wie erfrischend muss Edda`s Putzaktion für manche gewesen sein, der es gelang, für einige Augenblicke frischen Wind in ihre Köpfe hineinzublasen!

Angelika Stephan (Essener Künstlerin u. Teilnehmerin) - LINK zur Künstlerin

    
    
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Hermann Geilenkirchen